„Auferstanden aus Ruinen...“. So könnte die Biografie des heutigen Billardsaales in der Marienstraße beginnen, denn das Haus mit der Nummer 5 war im Krieg erheblich von Bomben zerstört worden.

Franz Schüssele, Inhaber des heute von seinem Enkel in der dritten Generation geführten Tabakwarengeschäftes im Haus, hatte 1952 die Idee, Räume für Billard und Tischtennis einzurichten. Nachdem er sich mit seinem Bekannten Steinbrenner, den er noch aus Vorkriegszeiten vom Billardspiel her kannte, verständigt hatte, ließ er den Keller vom Schutt räumen.

Familie Steinbrenner, vor dem Krieg Betreiberin eines großen Billardsaales im Wilhelmsbau, mietete die Billardräume an, weil sie ihre alte Wirkungsstätte, nach Übernahme derselben durch eine Kaufhauskette, verlassen musste. Der Tischtennisbetrieb blieb in Schüsseles Hand . 

Aus dem Jahr 1957 stammen  drei heute noch in Gebrauch befindliche Caramboltische der Wuppertaler Firma „Köster“. Gerda Steinbrenner, die Tochter des Hauses, heiratete „standesgemäß“ denn auch einen (sehr guten) Billardspieler namens Müller, der nicht nur in der Freien Partie an guten Tagen 300 Points vom Anstoß weg herunterspielen konnte, sondern sich auch nach einer Operation wegen Grauen Stars nicht davon abhalten ließ, bis ins hohe Alter von 92 Jahren seinem geliebten Spiel zu frönen.

In jener Zeit wurden die Räume auch Schauplatz einer Vorführung desFünfkampfwelt-meisters von 1939, Walter Lütgehetmann, wovon einige Originalfotos Zeugnis ablegen.


Im Juni 1963 übernahm dann Rolf Kübler, der schon als Jugendlicher dort Billard gespielt hatte, den Saal und führte diesen bis Mitte 2002. In seine Zeit fiel auch die Erweiterung um zwei Räume mit einem weiteren Carambol- bzw. Pooltisch.


2002 im September traten schließlich seine Tochter mit ihrem Mann in seine Fußstapfen und sorgen seither mit viel Engagement dafür, dass der älteste Billardsaal Stuttgarts weiterbestehen kann.

Frau Steinbrenner in ihrem Billardsaal
Im Gespräch mit dem Weltmeister
Vorführung von Walter Lütgehetmann
Gäste beim Spiel